Als einzige Kommune in Baden-Württemberg beteiligt sich der Bauhof der Gemeinde Möglingen an dem Projekt “Neue Kommunale Zeitarbeit”, das von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ins Leben gerufen worden ist. Um ein neues Arbeitszeitmodell im Bauhof auszuarbeiten, leistet die Gewerkschaft eine kleine Anschubfinanzierung und erstattet zwei Beratungstage bei einer Unternehmensberatung.
Warum fiel die Wahl der Verdi-Bundesverwaltung ausgerechnet auf den Bauhof Möglingen? “Um die verschiedenen Bauhof-Größen bei dem zweijährigen Projekt zu repräsentieren, hat sich Verdi wahrscheinlich für unseren relativ kleinen Bauhof mit 16 Mitarbeitern entschieden”, erklärt Michael Klumpp, Personalratsvorsitzender in der Gemeinde Möglingen mit rund 10600 Einwohnern.
Außerdem seien sie bei der Ausarbeitung des neuen Arbeitszeitmodells schon relativ weit mit dem Organisations- und Abstimmungsverfahren vorangeschritten. “Wir hatten schon viele Vorgespräche geführt”, erinnert sich Klumpp.
Um Kosten zu senken, hat die Gemeinde Möglingen bereits im Jahr 1999 die Wirtschafts- und Managementberatung für Kommunen “Fulte & Fingerle” damit beauftragt, eine Wirtschaftslichkeitsanalyse im Bauhof durchzuführen. Bei der Arbeitszeitregelung empfahl der Beratungsspezialist, flexiblere Arbeitszeiten einzuführen und sich von den starren Anfangszeiten um 6:45 Uhr und Endzeiten um 16:00 Uhr zu lösen. Dadurch können auch die gesamten Tageslichtverhältnisse ausgenutzt werden.
Der frühe Vogel fängt den Wurm
Deshalb führt der Bauhof im September 2003 eine Sommer- und Winterzeit ein. “Im Sommer fangen wir um 6.45 Uhr an und im Winter um 7.30 Uhr”, so Uwe Burkhardt, Bauhofleiter in Möglingen. Die Betriebszeit erstreckt sich von 6 Uhr bis 18 Uhr. Das heißt, wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel vor der Kernarbeitszeit beginnt zu arbeiten, wird ihm das als Überstunden angerechnet und auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben. Außerdem hat der Bauhof eine Schön- und Schlechtwetterregelung eingeführt: An zehn Tagen im Jahr kann der Bauhofleiter im Einvernehmen mit dem Mitarbeiter entscheiden, ob er zum Beispiel die Gärtner bei starkem Regen nach Hause schickt. In diesem Fall greift die Bonusregelung. 25 Prozent der ausgefallenen Arbeitszeit werden dem Mitarbeiter gutgeschrieben und 75 Prozent gehen zu Lasten des Überstundenkontos. Das heißt, wenn der Mitarbeiter acht Stunden früher geht, bekommt er zwei gutgeschrieben und sechs werden abgezogen. Damit die Pluszeiten nicht zuviel werden hat der Bauhof eine Obergrenze von 80 Stunden eingeführt. Die Untergrenze - also im Minusbereich - liegt bei 20 Stunden. “Aber der Mitarbeiter will ja in den Genuss von den Bonustagen kommen, deshalb wird er sein Überstundenkonto füttern”, lacht der gelernte Maurermeister Uwe Burkhardt.
Zudem ist die viertelstündige Vesperpause weggefallen. Denn das zählte zu den unproduktivsten Zeiten im Bauhof. Wenn einer der Mitarbeiter auf seiner Baustelle beschloss, Pause zu machen, mussten zum Teil Gerätschaften verladen werden, bevor er zum Bauhof fuhr - und anschließend ging es wieder zurück. Nach Berechnungen der Wirtschaftberatung Fulte & Fingerle gingen durch die An- und Abfahrt rund 30 Minuten pro Mitarbeiter verloren. Bei maximal 15 Mitarbeitern ist das ein täglicher Verlust von 450 Minuten. Der Mehraufwand entspricht fast der Arbeitszeit einer ganzen Arbeitskraft. “Jetzt gibt es die Handvesper vor Ort und das erspart uns eine Menge unproduktiver Arbeitszeit “, nickt Burkhardt zufrieden.
Teams fördern die Eigenverantwortung
Um die Eigenverantwortung jedes einzelnen zu fördern und einen reibungsloseren Ablauf zu gewährleisten, hat der Bauhof mehrere kleinere Teams von zwei bis drei Mitarbeitern gebildet. “Die Beschäftigten sollen in Zukunft nicht mehr stur sagen: Ich habe hier meinen Auftrag und was links und rechts von mir passiert, interessiert mich nicht”, erklärt der Chef. Sie sollen sich untereinander helfen und wegen der Arbeitszeit und Pausen absprechen. Der Zeitkorridor von 2,5 Stunden beim Arbeitsbeginn und -ende liefert die nötigen Spielräume dazu.
Mit dem neuen Arbeitszeitmodell ist auch die Außenwirkung des Bauhofs verbessert worden. Denn es bringt zum Beispiel die durchaus unterschiedlichen Interessen bei Serviceleistungen des Bauhofs unter einen Hut. Die sieben Kindergärten mit rund 400 Kindergartenplätzen sind großzügig mit Grünflächen ausgestattet. “Pflegearbeiten, die störend für den Kindergartenbetrieb sind, können nun problemlos danach ansetzen”, freut sich Eberhard Weigele, Bürgermeister der Gemeinde Möglingen. Die Kindergärten schließen um 15.30 Uhr. Ein Mitarbeiter des Bauhofs kann dann mit der großen Heckenschere problemlos bis 18 Uhr im Grünbereich arbeiten. Das gleiche gilt natürlich auch für die Spielplatzpflege oder andere Einrichtungen.
Insgesamt haben sich die Mitarbeiter und der Bauhofleiter an vier Beratungstagen zusammengesetzt und das Modell ausgearbeitet. “Weil wir im Bauhof schon relativ viel vorher gesprochen und diskutiert hatten, in welche Richtung es geht, konnten wir die Beratungsphase von sechs auf vier Tage kürzen”, freut sich Uwe Burkhardt. Jeder Tag schlug immerhin mit 1100 Euro zu Buche, wovon zwei die Gewerkschaft finanzierte. “So ein Projekt lässt sich nicht einfach ‘übers Knie brechen’. Das muss gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeitet werden”, betont Burkhardt und fügt hinzu, dass wahrscheinlich die Grundvoraussetzungen für das Gelingen des Modells eine intern gute Verständigung ist. Seit September läuft die einjährige Probephase an, “die am Ende hoffentlich in eine Dienstvereinbarung übergeht”, hofft Burkhardt.
|