Egal, ob Fabelwesen, Baumhaus, Kletterburg, Sitzgruppe, bespielbares Kunstobjekt, Kneipenausstattungen, Landartobjekt oder komplexe Spiellandschaft: Jedes Objekt, das von der Firma “Künstlerische Holzgestaltung Jürgen Bergmann” kommt, ist ein Unikat. So auch der Spielplatz Knax in dem sächsischen Dorf Sproitz.
“Den Beruf, den wir hier ausüben, gibt es eigentlich gar nicht”, meint Jürgen Bergmann und schmunzelt, denn er sei so vielseitig. Hier arbeiten Tischler und Zimmermänner, Spielmitteldesigner und Bauingenieure neben anderen Professionen wie einem ehemaligen Sänger, Künstlern und Schlossern Hand in Hand. “An erster Stelle ist das ein Job, der einen Sinn für die Realität erfordert. Der Spaß an der Arbeit und über das Erfolgserlebnis seine Kraft zu ziehen ist wichtig”, betont Bergmann und fügt hinzu, dass “jeder, der hier arbeitet, seine eigene Persönlichkeit miteinbringt, und das ergibt dann das gesamte Projekt”. In der Regel bestehen die Projektgruppen je nach Auftrag aus fünf bis zehn Mitarbeitern und werden von einem Projektleiter geführt.
Jürgen Bergmann hat Forstwirtschaft gelernt und zehn Jahre in dem Bereich gearbeitet. Dann stand er vor der Alternative, sein Hobby weiterzuentwickeln, und er hat sich für die Holzbildhauerei entschieden. Anschließend kam schon die Wende und 1990 die Firmengründung. Mittlerweile ist die Firma auf vierzig Mitarbeiterinnen angewachsen und hat Auftraggeber aus ganz Europa, u.a. auch in der Schweiz, wo sie in Zürich an einem futuristischen Parkspielplatz baut. “Ich bin für die Akquisition zuständig, mache Grundkonzepte selbst und leite die Firma”, erklärt Bergmann und bedauert, dass er bildhauerisch so gut wie gar nicht mehr tätig ist.
Das Modell als Prüfstein für die Realität
“Das Projekt Knax in Sproitz hat sich von unseren anderen Aufträgen darin unterschieden, dass wir hier bereits eine Vorgabe - den Comic - hatten, den wir so deutlich nacharbeiten mussten, dass er wiedererkennbar wird”, erinnert sich Jürgen Bergmann. Knax ist der comix zum Kindersparbuch der Sparkasse. Sonst würden häufig themenspezifische Spielanlagen nachgefragt, zum Beispiel zum Thema “Jim Knopf” in Berlin Moabit, bei denen sie stärker ihre Phantasie bei der Umsetzung spielen lassen konnten. Nachdem das Gelände begutachtet worden war und die Bedürfnisse des Auftraggebers gekärt waren, entwickelte Bergmann das Konzept.
Die Spielanlage Knax ist in die Gesamtparkanlage eingebettet und verteilt angeordnet. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Orten, die sich aus dem Comic ergeben: ein Dorf mit Schiffen ringsherum, ein Baumhäuschen und eine Burg Fetzenstein mit einem Geheimgangsystem davor, in der im Comic die Bösen ihr Unwesen treiben.
Im Modell im Maßstab 1:25 muss sich erweisen, ob sich das Projekt in der Dreidimensionalität verwirklichen lässt. ach dem Modell wird dann auch 1:1 gebaut. Wenn sich alle Beteiligten endlich entschieden haben, den Auftrag zu erteilen, dauert die Produktion nur noch rund sechs bis acht Wochen.
Die Mitarbeiter verwenden für die Spielanlagen fast auschließlich unbehandeltes Eichen- und Robinienholz aus der Gegend. Denn diese Hölzer haben Gelbsäure, was ein natürlicher Holzschutz ist und somit auch zur Haltbarkeit beiträgt. Die Seitenteile, z.B. bei dem Baumhäuschen, sind aus Farbelementengummi zusammengesetzt, ansonsten wird noch Kupfer, Edelstahl und in geschützten Bereichen Lärchenholz verwendet. Die statisch wichtigen Elemente werden mit einer Schlossschraube verbunden, die auf der anderen Seite mit einer Inbusshülsenmutter geschützt ist, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Je nach Einsatzgebiet werden auch Stahlbetonwände eingebaut und gefärbt.
Um den Transport zu erleichtern, sind alle Teile so konzipiert, dass sie dem Transportmaß entsprechen. Je nach Entfernung nutzen sie Speditionen oder liefern die Anlagen mit eigenen Fahrzeugen. Die Montage vor Ort in Sproitz dauert dann nochmals drei Wochen.
“Die Anlage Knax in Sproitz ist sehr gut angenommen worden”, freut sich Bergmann. Die Dorfbewohner sind stolz auf ihre Anlage und haben etwas Besonderes. “Das ist, wie wenn man ein schönes Haus baut, dann zeigen die Leute das auch den Gästen. Nur mit dem Unterschied: Die Spielanlage gehört allen, das ist noch mal eine Steigerung”, meint der Chef.
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Beim Jim-Knopf-Projekt in Berlin Moabit konnte Jürgen Bergmann seiner Phantasie freien Lauf lassen. Um die Eckpfeiler der Geschichte zu kennen, musste er jedoch seine Nase zuerst in das Buch stecken. “Im Westen sind die Kinder mit Jim Knopf groß geworden. Im Osten kennt man ihn nicht”, meint er. Dabei ist es wichtig, die Spielwerte aus dem Buch herauszufiltern und mit dem Thema zu verbinden. Bei Jim Knopf hat sich dann die Episode “Jim Knopf und die Wilde 13” angeboten. Das untergehende Piratenschiff stellten sie mit den Masten und der Takelage dar, die aus dem Sand rausragen. Es bietet so ein optimales Klettergerüst. Der Auftrag kam von einem Kindergarten, der den Spielplatz auch öffentlich zugänglich gemacht hat.
Um sich Anregungen für seine Arbeit zu holen, spielt Bergmann selbst gerne und beobachtet Kinder auch beim Spielen. “Die Kinder spielen in der Regel nicht die Geschichten aus den Comics oder Büchern nach, sondern entwickeln eigene Ideen”, stellt er immer wieder fest. Typische Beispiele dafür sind Mutter-Vater-Kind- und Räuberspiele.
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